Reisedrang & Investments in Yachten und Ferienimmobilien

“Niemand mit klarem Verstand wird jemals wieder ein Flugzeug besteigen – egal zu welchem Zweck“, sagt der US-Schriftsteller T. C. Boyle (72) heute dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und ist der Überzeugung, dass die Gewöhnung an Videokonferenzen die Mobilität der Menschen dauerhaft verändern wird. Er hätte nie gedacht, jemals Interviews virtuell führen zu müssen. „Aber da wir das nun alle gelernt haben, wird niemand mit klarem Verstand jemals wieder ein Flugzeug besteigen – egal zu welchem Zweck“.

Ich halte das für absolut überzogen, auch wenn mich die Erfahrungen und Entwicklungen der letzten Monate durchaus in der Meinung bestärken, dass die Business-Reisen künftig auf deutliche niedrigerem Niveau bleiben. Reisen zur persönlichen Vertrauensbildung ja, zu Abstimmungen, Reviews, Projektmanagement etc., nein; geht via ViKo viel effizienter und keineswegs weniger effektiv, dafür viel effizienter, wie ich selbst täglich erlebe.

Im Tourismus ist das aber anders: Corona hat der Tourismusindustrie hart zugesetzt. Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Dennoch bin ich überzeugt, dass das Interesse am Reisen ungebrochen ist, sich sogar staudammartig entladen wird, sobald die Öffnungen Reisen wieder zulassen. Eine Verschiebung halte ich aber für wahrscheinlich: Fernreisen werden gegenüber europäischen Zielen das Nachsehen haben. Wir haben gelernt, dass die Anfälligkeit der Ziele exponential zu ihrer Entfernung wächst.

Aktuell sind auch Ferienimmobilien in den Bergen betroffen und teilweise selbst die Besitzer von der Nutzung abgeschnitten, halten Sie sich an entsprechende Regeln. Wer dennoch hinfährt, um notwendige Kontrollen und Wartungen durchzuführen, muss mit entsprechender Quarantäne bei Hin- und oder Rückreise rechnen.

Wie also die Reisesehnsucht erfüllen?

Folge der nationalen oder gar regionalen Lockdowns ist aber auch ein Trend, der Ferienimmobilien und Zweitwohnsitze in einer Entfernung von 1-2 Stunden zum Wohnort im heimischen Land hat boomen lassen. Der Boom geht soweit, dass Ferienimmobilien auf unwirtschaftliche Preise jenseits der 35 fachen Jahresmiete gestiegen sind, wie im Süden Münchens oder auf Sylt.

Auch bei Booten in der Klasse bis 500T€ ist ein Boom zu verzeichnen, die nicht nur für den Seeeinsatz, sondern vor allem für kurzwegig erreichbare Binnengewässernutzung geordert werden. Hier steigen sogar viele ein, die vorher überhaupt nicht bootsaffin waren.

Die spannende Frage wird sein, welche Investments nachhaltig sein und die Entwicklung hingehen wird.

Die hier notwendige Differenzierung wird aber bei den Begriff “Investment” ansetzen müssen. Jede Ferienimmobilie und vor allem Boote sind mit hohen Folgekosten verbunden und mit der Distanz steigt auch die Betreuungsfrage durch Dritte. Während Immobilien in guten Lagen jährliche Zuwachsraten verzeichnen, ist das Boot regelmäßig mit höheren Wertverlusten einerseits und Unterhaltskosten andererseits verbunden. Wer sich dann noch diesen Traum mit einer Finanzierung ermöglicht, muss ich sehr genau überlegen, welche Erwartungen er damit verbindet. Sind Immobilie oder Boot rein der persönlichen und privaten Nutzung vorbehalten und Ausdruck persönlicher Lebensgestaltung und Traumerfüllung, so wird der Ort der Lage oder Nutzung er dem persönlichen “Sansibar” unterliegen und vielleicht noch die Frage des Zugangs und der Erreichbarkeit eine Rolle spielen. Benötigt die Investitionen, vor allem bei Finanzierung, jedoch einen klaren Return on Invest, so muss sehr gut überlegt werden wo und in welchem Umfeld eine entsprechende Auslastung, auch in Krisen wie der aktuellen, gegeben sein kann. Schnell kann nämlich aus der vordergründig interessanten Investition in eine Assetklasse, die gerade auch bei Pandemie ein individuelles Hideaway auf Distanz darstellen und bieten kann, ein wirtschaftliches Desaster werden.

Aktuelle Studien belegen, dass die Vermietung von Ferienhäusern und Wohnungen in Deutschland im Schnitt eine Nettorendite von etwa 4,5 % einbringt, während Immobilien im Ausland unter 4 % liegen. Die Nettorendite ist dabei der jährliche Ertrag aus der Vermietung in Prozent des Kaufpreises nach Abzug von Nebenerwerbskosten, Steuern und Instandhaltungen.

Bei Yachten kann man meist nicht von Nettorenditen sprechen, sondern lediglich von Kostendeckungsbeiträgen, denn Abschreibung, Wertverlust und hohe jährliche Unterhaltskosten von erfahrungsgemäß um die 10 % des Kaufpreises lassen eine Yacht nur dann zum Renditeobjekt werden, wenn sie mit allem Engagement und hoher Auslastung vermietet wird, was aber einen professionellen Reedereibetrieb auf der einen Seite voraussetzt, wie auch den Wunsch und Willen der Eigner die Yacht als Wirtschaftsgut zu betreiben und nicht nur als persönliches Vergnügen, dessen Kosten etwas durch Teilvermietungen gedämpft werden sollen.

Derzeit stehen bei einigen Mandaten diese Wirtschaftlichkeitsfragen und Berechnungen im Vordergrund und liefern interessante Erkenntnisse, teilweise aber auch die Ernüchterung, dass der Traum vom Investment in Yacht oder Ferienimmobilie als unwirtschaftlich zu den Akten gelegt wird.

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