Es gibt keine “Standard”-Verträge

Ein Vertrag ist ein zweiseitiges Rechtsgeschäft und kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen zustande. Es muss zwischen den Vertragsparteien ein Konsens bestehen. Der Vertrag kommt durch Annahme eines Angebots zustande.

Ein guter Vertrag ist oftmals das Ergebnis anstrengender Verhandlungen, um für die Geschäftsbeziehung der Parteien eine rechtsichere und angemessene Interessensausgleichs- und Regelungsbasis zu finden.

Gerade in der Yachtbranche lassen sich vor allem Käufer leicht mit angeblichen “Standard”-Verträgen und Geschäftsbedingungen sowie der stupiden Betonungen nach dem Motto “das ist Standard”, “das ist branchenüblich” oder “das machen wir schon seit vielen Jahren so und keiner hat es beanstandet” zur Unterschrift bewegen.

Das ist schlicht Unfug. Das gibt es nicht.

Ein vorgelegter Vertragstext bzw. AGBs können grundsätzlich immer nur ein Angebots-Vorschlag sein, eine Verhandlungsgrundlage. Stets sollte man sich, gerade bei größeren Transaktionen, genauer ansehen und prüfen lasen, was die einzelnen Regelungen bedeuten, wessen Interessen sie dienen und was damit bewirkt werden soll. Zu leicht gehen dann auf dem Weg zum begehrten Gut Vertragsparteien darüber hinweg. Sie sind der Meinung, es reiche aus, eine vage Vorstellung der zu erbringenden Leistungen und der dazu gehörenden Vertragsinhalte zu haben. Oder sie lassen sich umfangreiche Werke, noch dazu in fremder Rechtsprache mit ausländischer Rechtswahl und Gerichtsständen eben mit dem Argument, das sei “Standard” unterjubeln ohne zu hinterfragen und in Frage zu stellen, ob das rechtens und für sie gut ist. Die “Will haben…”-Gier ist die Triebkraft, die leicht blind und ignorant macht. Dieses Denken jedoch ist ein gewaltiger Fehler. Das Heulen kommt später, wenn etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.

Ein guter Vertrag ist weit mehr als eine rechtstechnische Regelungen. Ein guter Vertrag soll einen möglichst ausgewogenen und abgestimmten  Nutzen für alle Parteien gewährleisten.

Die Realität ist aber anders, gerade in der Yachtbranche. Nach dem Grundsatz des „right of the first shot“ versucht die Partei, die einen ersten Entwurf oder gar ein als alternativlos bezeichnetes Muster eines Vertrages oder einer AGB vorlegt, sich in die bessere Position zu bringen. Glauben Sie mir, die z.B. oft als „Standard“ angepriesenen MYBA Muster unter englischem Recht sind von einer Broker-Interessenvereinigung erstellt und nützen 1. dem Broker, 2. dem Verkäufer und erst am Schluss und nur bedingt dem Käufer, der aber das Geld zahlt und den Deal möglich macht. Legitim, aber kein Standard. So ein Muster kann man nicht einfach akzeptieren und nach Einsetzen der Parteien und der Bootsbezeichnung unterschreiben. Daneben bekomme ich oft laienhaft von Nichtjuristen aus irgendwo im Internet gefundenen Bausteinen zusammengeschusterte Vertragsmuster vorgelegt, dass es einem graut. Das kann ich keinen Mandanten unterzeichnen lassen.

Wenn wir einen Entwurf erstellen, versuchen wir bereits von Anfang an zu überlegen, wie wir unseren Mandanten bestmöglich absichern und seine Interessen vertreten, worauf möglicherweise die andere Seite in dem Vertrag Wert legen könnte und was Bedingung, verhandelbar ist und was nicht. Nicht jedoch sollte der Vertrag bereits mit Inhalten beginnen, die schlicht rechtswidrig, risikolastig oder interessensfern sind.

Ja, ein guter Vertrag ist Arbeit, aber über dessen Laufzeit (und oft  darüber hinaus) macht sich das mehr als bezahlt. Man kann nicht über jedes komplexe und individuelle Geschäft ein Muster „ stülpen“. Dabei will ich Geschäfte des täglichen Bedarfs außen vorlassen. Wir sprechen hier von größeren Investments in 5, 6, 7 oder höherstelligem € Bereich mit komplexen rechtlichen und sachlichen Inhalten.

Es ist daher dringend zu empfehlen, einen zur Verhandlung stehenden Entwurf anhand der aktuellen Situation und Interessenlage zu betrachten. Außerdem sollten alle Parteien darüber nachdenken, ob alle aktuellen und im Einzelfall denkbaren Probleme und Besonderheiten geregelt sind. Fehler treten oftmals deshalb auf, weil die aktuelle Situation gerade nicht „so ist wie die letzte“.

Ein guter Vertrag bietet Schutz: Das Schutz-Level ist immer individuell und hängt stark von der individuellen Risiko-Situation ab. Man denke nur an Leistungsstörungen, den Verzug, die Nichterbringung von Leistungen oder versteckte Mängel, vielleicht sogar solche, die sehenden Auges einfach mangels Sorgfalt im Vertragsprozess übersehen wurden oder nicht gesehen werden wollten.

Doch auch vielfach nicht offensichtliche Problemfelder – die letztendlich entscheidende Rechtswahl oder -geltung, die Vertragssprache bei mehrsprachigen Verträgen, der Ort eines möglichen Gerichtsverfahrens -oder die Frage nach der Nutzung eines Schiedsgerichts – können schnell zu teuren oder gar existenzbedrohenden Situationen für eine Vertragspartei führen.

Ein guter Vertrag ist geprüft und freigegeben (z.B. durch einen spezialisierten Anwalt) und sollte nicht das Ergebnis einer geschickten verkäuferischen Überredung mit der Botschaft der Alternativlosigkeit sein.

Es ist verständlich, dass viele Menschen sich nicht die Mühe machen wollen, einen rechtlichen Sachverhalt in allen Details zu verstehen. Das Recht ist – gerade international – komplex und erfordert regelmäßig Spezialwissen. Überhaupt will man doch ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen und sich nicht mit den rechtlichen Details aufhalten. Der Anwalt stört eher und wird bei Kritik als Deal-Verhinderer angesehen. Diese Haltung kann sich jedoch als großer Fehler erweisen. Das “Anwalt-Stört-Syndrom” geht in erlebten Einzelfällen sogar soweit, dass eine Partei den Anwalt der anderen Partei bei dieser gezielt diffamiert, um das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant zu erschüttern und so einen ungeliebten Spieler aus dem Schach-Spiel zu schießen.

Sicher kann es problematisch sein, wenn der die Partei begleitende Anwalt auf dem betreffenden Gebiet kein Fachmann ist. Ist er aber Fachmann mit ausgewiesener Expertise und Erfahrung, so sollte man sich seine Argumente anhören und sie bedenken, auch wenn sie auf den ersten Blick unbequem erscheinen. Das ist seine gesetzliche Pflicht.  Ist er Fachmann, so macht er sich intensiv über eine Vertragsbeziehung Gedanken, prüft Risiken und Interessen und schlägt Änderungen am Vertragstext vor, sofern dies erforderlich ist. Die Aufklärung über mögliche Risiken ist übrigens meistens der wichtigste Teil der anwaltlichen Arbeit.

Ich habe es noch nie erlebt, dass mit dem Vorlegen eines Vertragsentwurfes als Verhandlungsgrundlage bereits ein perfekter Vertrag im Raum stand. Erst das genaue Verstehen der Interessenlagen der Parteien und das Abwägen von Geschäftsziel und Bedingungen ist der Schlüssel zu einem guten und ausbalancierten Vertrag.  Ein Vertrag ist kein Selbstzweck und auch nicht nur ein rechtstechnisches Dokument. Ein Vertrag soll den Vertragsparteien helfen, auf Schwierigkeiten vorbereitet zu sein und für diese Lösungen anzubieten. Die Vertragsparteien müssen sich und die vertragliche Beziehung, die geregelt werden soll, in dem Vertrag wiederfinden.

Für mich gilt regelmäßig:

  • Ich bespreche mit einem Mandanten die Zielsetzung und Rahmenbedingungen des Geschäfts sowie seine und – soweit bekannt – die Interessenlage der anderen Parteien. Ich versuche zu verstehen, worum es genau geht.
  • Danach prüfen wir die im Raum stehenden Vertragsentwürfe /-angebote oder erstellen einen eigenen Vorschlag als Verhandlungsgrundlage.
  • Auf dieser Basis geht es in die Verhandlungen. Hier wird meist der erste große Fehler gemacht, den ich bei vielen Kanzleien erlebe: Ein Associate fängt an zu redigieren und baut sinnlose oder wenig nutzbringende Textbausteine ein oder ersetzt Begriffe. Aus „Buyer“ wird dann „Purchaser“ als käme es darauf an. Was für ein Zeit und kostentreibender Unfug!
  • Ich bitte meist darum, den Vertragsvorschlag zu lesen und zu verstehen und mir dann in einem Statement ab vom Vertragstext  Feedback, Wünsche, Intentionen und inhaltliche wie rechtliche Vorschläge zu machen.
  • Darüber diskutieren wir dann. Erst wenn wir dann Konsens über die grundlegenden inhaltlichen Pfeiler des Vertragswerkes haben, werden diese im Text umgesetzt und dieser angepasst bzw. redigiert.

Und um es klar zu sagen: Will ein Mandant diese Philosophie einer professionellen vertraglichen Begleitung nicht oder hält trotz noch unausgegorener Vertragsentwürfe oder offener wichtiger Risiko- oder Themenpunkte mir vor, warum ich nicht schon die Unterschrift hätte (Dritte meinten doch, dass das so einfach sei), dann bin ich fehl am Platz. Dann braucht er keinen Anwalt. Dann braucht es vielmehr nur seine Unterschrift unter das, was vorliegt. Wenn er das um jeden Preis oder zu diesen suboptimalen Konditionen akzeptieren will, ok. Dann bin ich aber raus. Ich bin kein „Abnicker“.


A contract is a two-sided legal transaction and is concluded by two concurrent declarations of intent. There must be a consensus between the contracting parties. The contract is concluded by acceptance of an offer.

A good contract is often the result of strenuous negotiations in order to find a legally secure and appropriate basis for the business relationship between the parties to reconcile their interests and to regulate it.

Especially in the yacht industry, especially buyers can easily be persuaded to sign with alleged “standard” contracts and business conditions as well as the stupid emphasis on the motto “this is standard”, “this is customary in the industry” or “we have been doing this for many years and nobody has objected”.

This is simply nonsense. There is no such thing.

A submitted contract text or general terms and conditions can only ever be an offer proposal, a basis for negotiation. Particularly in the case of larger transactions, one should always take a closer look and check what the individual provisions mean, whose interests they serve and what is to be achieved with them. It is then too easy for contracting parties to ignore them on the way to the desired good. They are of the opinion that it is sufficient to have a vague idea of the services to be provided and the associated contractual contents. Or they allow themselves to have extensive works, even more so in a foreign legal language with a foreign choice of law and jurisdiction, with the argument that this is “standard”, without questioning and questioning whether this is legal and good for them. “Want to have…” greed is the sole driving force that makes you blind. But this thinking is a huge mistake. The crying comes later, when things don’t go the way you want them to.

A good contract is much more than just a technicality. A good contract should ensure a balanced and agreed benefit for all parties.

But the reality is different, especially in the yacht industry. According to the principle of the “right of the first shot”, the party who submits a first draft or even a sample of a contract or general terms and conditions of business that is considered to be without alternative is trying to put himself in the better position. Believe me, for example, the MYBA templates under English law, which are often claimed as “standard”, have been prepared by a broker association and are of use 1. to the broker, 2. to the seller and only at the end and only to a limited extent to the buyer, who however pays the money and makes the deal go through. Legitimate, but not standard. Such a sample cannot simply be accepted and signed after having the parties data inserted and the boat description. In addition, I am often presented with amateurishly cobbled together contract templates from text blocks found somewhere on the Internet by non-lawyers, which makes me dread. I cannot have a client sign this.

When we prepare a draft, we try from the very beginning to consider how we can best protect our client and represent his interests, what the other side might want to include in the contract and what conditions are negotiable and what is not. However, the contract should not already start with content that is simply illegal, risky, or uninteresting.

Yes, a good contract is work, but over its term (and often beyond) it more than pays for itself. You cannot “put a pattern” over every complex and individual business. I want to leave out business of daily needs. We are talking about larger investments in 5, 6, 7 or higher figures with complex legal and factual content.

It is therefore strongly recommended to consider a draft that is up for negotiation based on the current situation and interests. In addition, all parties should consider whether all current and conceivable problems and particularities in individual cases have been settled. Errors often occur because the current situation is not “like the last one”.

A good contract offers protection: The level of protection is always individual and depends strongly on the individual risk situation. Just think of disruptions in performance, delay, failure to perform or hidden defects, perhaps even those that were simply overlooked or did not want to be seen due to a lack of care in the contractual process.

However, even problem areas which are often not obvious – the ultimately decisive choice or validity of law, the language of the contract in the case of multilingual contracts, the location of possible legal proceedings – or the question of the use of an arbitration tribunal – can quickly lead to expensive or even existence-threatening situations for a contracting party.

A good contract is checked and approved (by a specialist lawyer) and should not be the result of skilful salesmanship with the message of lack of alternatives.

It is understandable that many people do not want to take the trouble to understand a legal matter in all its details. The law is – especially internationally – complex and regularly requires specialist knowledge. After all, you want to sell a product or service and not bother with the legal details. The lawyer is more likely to interfere and is seen as a deal-breaker in case of critics. However, this attitude can prove to be a big mistake. The “lawyer-interference syndrome” even goes so far in experienced cases that one party deliberately defames the lawyer of the other party in order to shake the relationship of trust between lawyer and client and thus shoot an unloved player out of the chess game.

It can certainly be problematic if the lawyer accompanying the party is not a specialist in the field in question. However, if he is a specialist with proven expertise and experience, one should listen to his arguments and consider them, even if they seem uncomfortable at first sight. This is his legal duty. If he is a professional, he will think intensively about a contractual relationship, examine risks and interests and propose changes to the wording of the contract if necessary. By the way, informing the client about possible risks is usually the most important part of a lawyer’s work.

I have never experienced it before that when a draft treaty was presented as the basis for negotiations, a perfect treaty was already in the offing. The key to a good and well-balanced contract is the exact understanding of the parties’ interests and the weighing up of business objectives and conditions. A contract is not an end in itself and is not just a technical legal document. A contract should help the contracting parties to be prepared for difficulties and to offer solutions to them. The contracting parties must find themselves and the contractual relationship to be regulated in the contract.

For me, the following applies regularly:

  • I discuss with a client the objectives and general conditions of the business as well as his and – as far as known – the interests of the other parties. I try to understand what exactly is at stake.
  • Then we examine the draft contracts/offers in the room or prepare our own proposal as a basis for negotiations. On this basis, the negotiations begin.
  • This is usually where the first big mistake is made, which I experience in many law firms: An associate starts editing and incorporates meaningless or unhelpful text modules or replaces terms. Buyer” then becomes “Purchaser” as if it really mattered. What time and costly nonsense!
  • I usually ask you to read and understand the contract proposal and then to give me feedback, wishes, intentions and suggestions regarding content and legal issues in a statement. We then discuss this.
  • Only when we have reached a consensus on the fundamental pillars of the treaty will these be implemented in the text and adapted or edited.

And to put it clearly: If a client does not want this philosophy of professional contractual support or if, in spite of unfinished draft contracts or open important risk or topic issues, he reproaches me for not having signed the contract, then I am out of place. Then he does not need a lawyer. In that case, all he needs is his signature on what is on hand. If he wants to accept that at any price or on these suboptimal terms, fine. Then I’m out. I’m not an “abortionist.”