Die Corona-Krise stellt uns vor einen Scheideweg

Die Corona-Krise ist ein Alarmsignal für uns alle. Ein kleiner Virus umrundet in kürzester Zeit die Welt und legt unsere Gesellschaft in weiten Teilen lahm und schlägt eine Schneise von Krankheit, Tod, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen höchsten Ausmaßes.

Dies genau zu einem Zeitpunkt, an dem die Gesellschaft 2019 eine Art Perversions-Peak erreicht hat: Polarisierte, gespaltene Gesellschaft mit erodierender Gemeinschaft und Mitte, getrieben und disrumpiert von linken und rechten sowie apokalyptischen Extremen aller Couleurs. Nun ein unerwartet heilsamer Schock für Gesellschaft und Wirtschaft.

Der Kampf gegen Corona braucht Zeit und auch nach Eindämmung ist das Problem hinter dem Virus nicht gelöst. Die Welt wird sich durch die Krise verändern, auch wenn keiner derzeit die Richtung absehen kann, auch wenn einige selbsternannte Zukunftsträumer meinen, die Richtung zu kennen.

5 wichtige Erkenntnisse gibt es bereits jetzt:

  • Oberste Priorität aller Regierungen der Welt muss die Gesundheit der Bürger sein. Wie sich zeigt, sind die Gesundheitssysteme und -ausstattungen in höchst unterschiedlichem und oft desolatem Zustand mit fehlendem Personal, Equipment und Technologie. M.E. gehört das Gesundheitssystem in staatliche Hände und muss ohne Achtung von Wirtschaftlichkeit und Gewinnstreben privater Gesundheitsorganisationen dem Bürger dienen. Gesundheit, Wissen und Ausbildung sind die wertvollsten Ressourcen einer Gesellschaft. Die wirksamsten Instrumente im Kampf gegen eine Pandemie sind damit Investitionen in das Gesundheitssystem, in medizinisches Personal und in ein soziales Absicherungssystem. Medizinische Versorgung muss wie Bildung ein Grundrecht sein. Die Assets dazu dürfen nicht outgesourced werden. Wir dürfen nicht von anderen abhängig sein. Gesundheit ist ein systemrelevantes Thema, das im Kern im Land bleiben muss.
  • Systemrelevanz muss neu definiert und organisiert werden. In der prosperierenden Partygesellschaft der letzten Dekade sind viele Honorierungsschieflagen entstanden. Nunmehr lernen wir: Systemrelevanz VOR Brot und Spiele! Wir sollten einmal alle sehr nachdenklich werden, was wir da in den letzten Jahren gebaut haben! Wir haben vor Jahrzehnten China zur verlängerten Werkbank erkoren und nicht gemerkt, wie diese mit dem verdienten Reichtum in der Lage waren zur Weltmacht wiederaufzusteigen und sich der Quellcodes und Schlüsselindustrien des Kapitalismus zu bedienen und wir erpressbar sind. Wir haben perverse Finanzsystem geschaffen, bei denen es sogar möglich ist, dass in einem dramatischen Crash ein Hedgefondsmanager 2,8 Mrd. Gewinn macht, in dem er auf den Zusammenbruch wetten darf und dafür Renditen einstreicht.
  • Wir müssen es schaffen die Digitalisierung konsequent zu nutzen, ohne uns davor geißeln zu lassen. Die Krise darf nicht zum Überwachungssystem und zu einer abstrakten Welt führen. Wir können nicht im Bildschirm leben. Noch sind wir Menschen. Dennoch: Home Office bedeutet in vielen Branchen keinen Produktivitätsverlust und ist oftmals ein Gewinn für die Work/Life-Balance.
  • Für die Gesellschaften gibt es nach Krise zwei Richtungen, die Wahl zwischen Öffnung oder Abschottung. Derartige Krisen sind nur in internationaler Zusammenarbeit und Multilateralismus zu lösen. Diese muss ohne populistischen Protektionismus neu organisiert und manifestiert werden. Die Menschheit muss in echter Zusammenarbeit und Solidarität näher zusammenrücken. Und das ist anders und weit mehr als wir bisher unter globaler Beschaffung, Wertschöpfungsketten und Money-Making praktiziert haben.
  • Wir sollten lernen, mit Stress und Krisen ruhiger und qualifizierter umzugehen. Was derzeit von Medien und Regierungen befeuert wird, gepaart mit unaufgeklärter einseitiger Befangenheit, was sich meist als Ahnungslosigkeit entpuppt, ist unerträglicher als das Virus selbst. 7/24 nur noch Weltuntergangsnews und -stimmung zieht selbst den Stärksten in die Depression. Und die brauchen wir gerade nicht, um mit Schwung auch wieder aus dem Tal zu kommen. Wer endlich gebietet diesem Kommunikationswahnsinn Einhalt? Wer endlich rückt Information hin zur Klarheit und Relation der Fakten? Wann lernen gerade Autoritäten sich zu kontrollieren und Verantwortung für das zu übernehmen, was sie von sich geben oder auslösen? Wann führen wir Berufs-Befangene, Apokalyptiker und Katastrophenplauderer ad absurdum? Und wann lernen wir, dass wir gegenüber den Naturgesetzen nicht allmächtig sind?

>> Eine lesenswerte, kritische Meinung zum Shut Down