Die untersch?tzte Frage hinter jedem Superyacht-Projekt
von Prof. Dr. Christoph Ph. Schlie?mann
Eine gro?e Yacht entsteht und funktioniert nur durch das Zusammenwirken zahlreicher Spezialisten.
Broker finden geeignete Yachten und strukturieren Transaktionen. Werften bauen und refitten. Designer entwickeln das Konzept. Surveyors und technische Berater pr?fen. Yachtmanager organisieren den Betrieb. Captains f?hren Schiff und Crew. Versicherer, Flaggenberater, Steuerberater, Banken und Anw?lte erg?nzen das Projekt.
Jeder dieser Beteiligten kann hervorragend arbeiten.
F?r den Eigner stellt sich trotzdem eine grundlegende Frage:
Wer betrachtet das gesamte Projekt ausschlie?lich aus meiner Perspektive?
Diese Frage wird erstaunlich h?ufig erst gestellt, wenn bereits ein Problem entstanden ist.
Ein gemeinsames Projekt bedeutet keine identischen Interessen
Eine Yachttransaktion kann ?ber Monate vollkommen harmonisch verlaufen. Beim Neubau arbeiten Werft, Broker, Designer, Technical Team und Eigner gemeinsam auf die Ablieferung hin. Im laufenden Betrieb verfolgen Captain, Manager, Chartermanager und Eigner scheinbar dasselbe Ziel: eine zuverl?ssig funktionierende Yacht.
Die wirtschaftlichen Positionen bleiben dennoch unterschiedlich.
Die Werft muss ein Projekt technisch und wirtschaftlich erfolgreich abwickeln. Ein Broker erf?llt seine Aufgabe im Zusammenhang mit einer Transaktion. Ein Yachtmanager betreibt ein eigenes Dienstleistungsunternehmen. Ein Chartermanager ist an erfolgreicher Vermarktung interessiert. Versicherer beurteilen Sch?den und Deckung nach ihren Vertragsbedingungen.
Keine dieser Interessenlagen ist an sich problematisch.
Sie werden relevant, sobald eine Entscheidung mehrere Beteiligte unterschiedlich trifft.
Was geschieht, wenn die gerade abgelieferte Yacht erhebliche M?ngel aufweist?
Wie wird entschieden, wenn eine Werft bei einem Refit Mehrkosten verlangt?
Wer pr?ft, ob ein Charterkonzept dem tats?chlichen Interesse des Eigners entspricht?
Was geschieht, wenn ein Managementvertrag wirtschaftlich oder operativ nicht mehr ?berzeugt?
Und wer vertritt den Eigner, wenn eine zun?chst gute Zusammenarbeit in eine Auseinandersetzung m?ndet?
Genau in solchen Situationen wird deutlich, weshalb Rollen von Beginn an sauber definiert sein sollten.
Die wachsende Bedeutung der Owner-Side-Governance
Dass dies kein theoretisches Thema ist, zeigt die aktuelle internationale Diskussion. Beitr?ge zur Superyacht-Governance befassen sich 2026 verst?rkt mit der Rolle eines unabh?ngigen Owner?s Representative und mit der Frage, wie Family Offices ein derart komplexes Asset organisatorisch kontrollieren k?nnen. Megayacht News beschreibt die fehlende Koordination zwischen Design, Technik, Vertr?gen, Betrieb, Kosten und sp?terem Wiederverkauf als wiederkehrende Schwachstelle von Yachtprojekten. Auch auf dem Superyacht Investor London 2026 geh?rten Family-Office-Governance und Ownership Structures zu den zentralen Themen.
Der Gedanke ist aus der Unternehmenswelt vertraut.
Niemand w?rde bei einem komplexen M&A-Projekt annehmen, dass Verk?ufer, Investmentbank, finanzierende Bank, Management und Berater trotz unterschiedlicher Funktionen automatisch dieselbe Interessenlage besitzen.
Bei einer Superyacht wird diese Unterscheidung gelegentlich durch die besondere Atmosph?re der Branche ?berdeckt. Man kennt sich. Man arbeitet seit Jahren zusammen. Empfehlungen und pers?nliche Netzwerke spielen eine erhebliche Rolle.
Gerade deshalb braucht der Eigner Klarheit dar?ber, wem gegen?ber welcher Beteiligte verantwortlich ist.
Empfehlung und Unabh?ngigkeit sind verschiedene Fragen
Ein guter Broker kann einen hervorragenden Anwalt empfehlen. Eine Werft kann einen ausgezeichneten technischen Berater nennen. Ein Yachtmanager kann geeignete Versicherer oder Crew-Spezialisten kennen.
Eine Empfehlung beantwortet jedoch noch nicht die Frage nach der sp?teren Unabh?ngigkeit.
F?r den Eigner ist deshalb interessant:
Wer hat den Berater ausgew?hlt?
Wer bezahlt ihn?
Bestehen Provisionen oder wirtschaftliche Verbindungen?
F?r welche anderen Beteiligten des Projekts arbeitet er regelm??ig?
Kann er erforderlichenfalls eine kritische Position gegen?ber demjenigen einnehmen, der ihn empfohlen hat?
Und bleibt diese Freiheit auch dann bestehen, wenn der Konflikt wirtschaftlich unangenehm wird?
F?r deutsche Rechtsanw?lte ist berufliche Unabh?ngigkeit sogar gesetzlich verankert. ? 43a Abs. 1 BRAO untersagt Bindungen, welche die berufliche Unabh?ngigkeit gef?hrden. Bei widerstreitenden Mandanteninteressen gelten zus?tzlich die T?tigkeitsverbote des ? 43a Abs. 4 BRAO.
Diese Regeln sind keine Formalit?t. Sie beschreiben einen wesentlichen Teil der Funktion anwaltlicher Beratung.
Der Wert unabh?ngiger Beratung entsteht vor dem Streit
Unabh?ngige Interessenvertretung wird h?ufig mit Konflikt verbunden.
Ihr gr??erer wirtschaftlicher Wert liegt fr?her.
Ein Berater, dessen Blick ausschlie?lich auf das Interesse des Eigners gerichtet ist, kann bereits vor dem Kauf fragen, ob das vorgesehene Nutzungskonzept sinnvoll ist. Er kann Vertragsrisiken benennen, obwohl deren Diskussion den Abschluss verz?gert. Er kann ein Chartermodell hinterfragen, obwohl es die Kaufentscheidung wirtschaftlich attraktiver erscheinen l?sst. Er kann auf einen umfangreicheren Survey bestehen. Er kann eine Eigent?merstruktur ablehnen, die international ?blich aussieht, f?r den konkreten Eigner jedoch ungeeignet ist.
Und er kann auch sagen:
Dieses Projekt sollten Sie unter diesen Bedingungen nicht durchf?hren.
Gerade diese M?glichkeit geh?rt zum Wert unabh?ngiger Beratung.
F?nf Fragen vor der Auswahl des eigenen Beraterteams
Ein k?nftiger Eigner sollte deshalb schon zu Beginn eines gr??eren Yachtprojekts f?nf einfache Fragen beantworten:
1. Wer vertritt ausschlie?lich meine Interessen?
2. Wer wird unmittelbar oder mittelbar aufgrund des Zustandekommens der Transaktion verg?tet?
3. Welche Beteiligten arbeiten regelm??ig miteinander und welche wirtschaftlichen Beziehungen bestehen daraus?
4. Wer besitzt die Autorit?t, Annahmen anderer Projektbeteiligter kritisch zu ?berpr?fen?
5. Wer kann das Projekt im Zweifel stoppen oder eine Eskalation empfehlen, ohne dadurch eigene wirtschaftliche Interessen zu gef?hrden?
Die Antworten entscheiden nicht dar?ber, ob ein Projekt konfliktfrei verlaufen wird.
Sie entscheiden dar?ber, ob der Eigner vorbereitet ist, wenn Interessen einmal auseinanderlaufen.
Ein gutes Netzwerk braucht klare Rollen
Eine Superyacht l?sst sich ohne professionelle Netzwerke kaum bauen, kaufen oder betreiben. Ihre Qualit?t h?ngt wesentlich davon ab, wie gut Spezialisten zusammenarbeiten.
Professionelle Zusammenarbeit setzt jedoch Klarheit ?ber Verantwortlichkeit voraus.
Der Broker sollte ein hervorragender Broker sein. Die Werft eine hervorragende Werft. Der Manager ein hervorragender Manager. Der Captain ein hervorragender Captain.
Und der Eigner sollte wissen, wer ausschlie?lich auf seiner Seite des Tisches sitzt.
Gerade bei einem Asset, dessen Kaufpreis h?ufig nur den Anfang einer langj?hrigen wirtschaftlichen Verpflichtung bildet, ist diese Frage zu wichtig, um sie erst beim ersten Konflikt zu stellen.
Business ? Legal ? Ownership ? Governance


