boot Düsseldorf nach Pandemiepause zurück

Die boot 2023 meldet fast 237.000 Besucher aus über 100 Ländern und mehr als 1.500 Aussteller aus 68 Nationen auf 220.000 Quadratmetern in 16 Messehallen.

Aus der offiziellen Pressemeldung der boot:

„Trotz der nicht einfachen Rahmenbedingungen hat die boot 2023 Erfolgsgeschichte geschrieben. Ein so positives Resultat hätten wir uns nicht träumen lassen. Die boot hat wieder ihr ruhiges Fahrwasser erreicht und ist fest in ihrem Düsseldorfer Heimathafen verankert. Diese erfolgreiche Rückkehr hat gezeigt, Messemachen “made in Düsseldorf” hat eine internationale Strahlkraft“, sagt Messechef Wolfram Diener. boot Director Petros Michelidakis berichtet hocherfreut: „Die Gespräche mit den Ausstellern waren unfassbar gut, Besichtigungstermine auf den Booten komplett ausgebucht und die Unternehmen berichteten von einer Vielzahl an Boots- und Zubehörverkäufen. … Wir freuen uns, dass die boot der Industrie diesen Marktplatz bieten und diese sich trotz der schwierigen, derzeitigen Wirtschaftslage erfolgreich präsentieren konnte.“

Auch die internationale Ausstellerschaft ist nach den neun Messetagen hoch zufrieden, fasst Robert Marx, Messepräsident der boot und Geschäftsführer von Marx-Technik, zusammen: „Was die Düsseldorfer Messemacher hier, nahtlos anknüpfend an Vorpandemiezeiten, auf die Beine gestellt haben, ist einfach großartig. Mit der 2023er boot hat die Messe gezeigt, dass sie in der Zukunft angekommen ist und auch eine stürmische See erfolgreich durchsteuern kann. Riesiger Dank an die Düsseldorfer Mannschaft mit ihrem Kapitän Wolfram Diener. Ihr habt einen wirklich guten Job gemacht.“

Große Beachtung fand auch das neue Nachhaltigkeitsforum „blue innovation dock“ auf der boot 2023. Hier trafen sich Industrie, Politik und internationale Verbände zum hochkarätigen Dialog und Austausch. Philip Easthill, Generalsekretär des Verbandes der European Boating Industry/Brüssel, fasst das neuntägige Programm sehr positiv zusammen: „Das ‚blue innovation dock‘ ist gekommen, um zu bleiben.

Ich erlaube mir einen etwas kritischeren Blick:

  1. Die Messe war gut besucht, bei den Geschäftsabschlüssen muss man nach Produktgruppen sehr differenzieren. An vielen Ständen hieß es nicht nur “Geschäftsabschlüsse”, sondern eher “wir sind in Gesprächen”.
  2. Es gab trotz des Neustarts viele leere Plätze und vor allem deutliche Konsolidierungen bei den Ausstellern. Gerade in Halle 6, die sonst ein sehr vielfältiges Angebotsspektrum bot, dominierten nur 6-7 große Brands. Das wars. Manche interessante Marke, vor der man sonst gewohnt war, auch mit Booten präsent zu sein, war gar nicht da oder vielleicht nur noch mit einem Infostand, dann oft in den Nachbarhallen.
  3. Kulturell hat sich im Vergleich zu vor 10 Jahre manches verändert. Das damals oft pionierhaft familiäre Miteinander der Standteams und der Stakeholder ist oft Strukturvertrieben gewichen, die alle an einem Stand um Kunden kämpfen.
  4. Bei den Seglern war die Angebots-Präsenz deutlich unter der in 2019.
  5. Hohe Präsenz hatten Angebote im Daycruiser-Bereich zwischen 25 bis ca. 45 Fuß. Die Vielfalt war schwer zu überschauen und ohne vorherige Information und Konzentration bei den Besichtigungen verliert der Besucher schnell den Überblick.
  6. Die Bemühungen auf der Messe und in der Branche “Nachhaltigkeits-Themen” zu etablieren und zu diskutieren sind richtig und lobenswert, doch seien wir ehrlich: Eine große Yacht ist und wird niemals umweltneutral. Sie kann über Technologieoffenheit umwelttechnisch optimiert werden, kann z.B. so manchen Versorger über Solar betreiben, um die Laufzeit großer Generatoren zu minimieren. Sie kann mit noch mehr nachhaltigen Materialien gebaut werden. Allein das Waste-Management hat noch viel Verbesserungspotential. Letztlich bliebt eine Motor-Yacht immer ein weitgehend ineffizientes Luxusgut und es lässt sich auch ohne jede Moralisierung nicht hinwegtäuschen, dass eine solche Yacht und ihre oft vielen ebenso energieintensiven Toys ohne jeden existentiellen Mehrwert für die Gesellschaft das persönliche Vergnügen der Eigner oder Nutzer bleiben. Ein Daycruiser verbraucht z.B. schnell 2-3 Liter pro Motor pro Seemeile, eine Mega-Yacht für einen Ausflug von Monaco ins 20 Kilometer entfernte Nizza je nach Geschwindigkeit 600 bis 1800 Liter Diesel. For Pleasure. Hier bestimmen Nutzungs- und Fahrverhalten, vor allem die Fahrgeschwindigkeit den Verbrauch. Schone wenige kn weniger entscheiden. Natürlich sind rein statistisch solche Yachten am globalen Gesamt-Klima-Problem nur minimal beteiligt. Ihr Bau und Betrieb beschäftigt viele Menschen. Dennoch bewegen wir und hier auf der ähnlichen Diskussionsebene wie beim exzessiven Skitourismus in den Alpen, über den Sinn einer mittlerweile 50-70% künstlichen Beschneiung mit Schneekanonen (1 ha zu beschneien verbraucht 1 Mio. Kubik Wasser sowie der Logistik zu und von den Skigebieten. Wie begegnen wir all diesen Herausforderungen ohne Moralisierung und Verbote?

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